Sonntag, 26. Juni 2016

Nur noch 2 Wochen





So ihr Lieben, 
heute schaffe ich es endlich mal wieder zu schreiben. Es sind hier gerade Winterferien, das heißt meine letzten zwei Wochen meines Austauschjahres haben angefangen.

Langsam merkt man, dass es eng wird. Man muss sich über Gepäckangaben und Verabschiedungen Gedanken machen und das ist wirklich nicht so schön. Dazu hat seit einigen Tagen auch noch ein hässliches graues Regenwetter angefangen.
Aber jz erzähl ich mal ein bisschen:



Ich wurde auf den 80. Geburtstag vom Opa meiner Freundin eingeladen (fragt mich nicht wieso). Das war eine ziemlich coole Erfahrung. Das ganze war in einem gemieteten Saal, aber keinesfalls so steif wie ihr es euch jetzt vielleicht vorstellt. Lange Tische waren zwar an allen Seiten aufgestellt und ein paar Onkel sind mit Asado rumgegangen, doch in der Mitte gab es eine Tanzfläche und auch einen DJ und einen Sänger. So ungefähr gleich nach dem Essen wurde ordentlich getanzt, nachmittags die Oldies von der Cumbia und abends Plena ( alter Cumbia https://www.youtube.com/watch?v=6L-ueTxJISw ,  Plena  https://www.youtube.com/watch?v=dlpduF6WLQA )  

Es wurde schon wirklich wild gefeiert, mit viel Wein und Whisky, es gab einen Cotillon (das ist sozusagen eine Ausgabe von Scherzartikeln und Verkleidungssachen), zwischendurch sah es aus wie Karneval der älteren Generation. Ich muss sagen, auch wenn ich nur meine Freundin kannte, war es ziemlich lustig, ich habe mit irgendwelchen Omis eine fröhliche Polonaise gestartet:) 

Später kam dann auch noch eine Tamborgruppe, die getrommelt hat. Einer der drei Trommler war mein Recursos naturales -  Lehrer (in dem Agronomiezweig in dem ich bin, gibt es ein Fach das sich um Ressourcennutzung dreht), mit dem habe ich erstmal ein Foto gemacht :)




Dann gab es allerdings einen Part der mich ziemlich überrascht hat: Plötzlich wurde ein langsames (wohl ziemlich bekanntes Lied) aufgelegt (ich glaube, das war irgendwas über den Frühling und Geburtstage) und alle sind ganz still geworden, sind aufgestanden und haben mitgesungen. Fast allen sind die Tränen gekommen und sind sehr emotional geworden, haben sich umarmt und gedrückt und dem "Geburtstagskind" gratuliert. Das war für mich in dem Moment ziemlich befremdlich, denn kurz vorher waren alle noch fröhlich am rumtanzen mit irgendwelchen grellen Sonnenbrillen und Hüten...





Mit Mandarinen und Hunden unten am Fluß...





In Mercedes mit meiner Gastmutter vor der Artigas Statue





Am letzten Schultag hat meine Klasse beschlossen zu schwänzen, aber einige von uns haben uns nochmal unten am Hafen getroffen - mit Kuchen  und Mandarinen

Das mit den Mandarinen ist hier übrigns so ein richtiges Ritual: Im Winter wenn die Sonne scheint, setzt  man sich nach draußen und isst Mandarinen.


Der Schwur auf die uruguayische Flagge:

Das ist auch mal wieder sowas wo man in Deutschland nie drauf kommen würde... 
Hier in der ersten Klasse in der Grundschule gibt man ein Versprechen ab, dass man später  in der ersten Klasse der weiterführenden Schule ( was der 7. Klasse in Deutschland entspricht) auf die Flagge einen Treueschwur abgibt. Es wurden mit großem Brimborium die drei Flaggen eingeführt, die Nationalhymne gesungen, noch so eine Art Flaggenlied (sag ich jz mal so) und ein paar Reden gehalten. dann wurde die Nationalflagge in den Vordergrund gebracht, der Schwur wurde vorgelesen und alle Schüler meinten " ICH SCHWÖRE". Jeder hat ein Zertifikat bekommen und alle sind nach Hause gegangen. Was ich gar nicht glauben konnte, ist, dass das Ganze unglaublich wichtig ist. Wenn man zum Beispiel sich auf einen Job bewirbt, wird als erstes dieses Zertifikat verlangt!







Da meine Gastmutter beruflich irgendwas in Fray Bentos zu regeln hatte, bin ich mitgefahren und konnte nochmal eine neue Stadt kennenlernen


An der Rambla


Im Anglo: der schönste Teil der Stadt, ein englisches Viertel, wo das Corned beef in Dosen fabriziert ( und ich glaube erfunden wurde)


Corned beef


Der alte schon eingestürzte Hafen vom anglo





Dann war ich neulich auf einer Gira von der Braford. Das klingt erstmal komisch aber eigentlich heißt das sozusagen ein Besuch auf einer Estancia, die auf die Rinderrasse Braford spezialisiert ist und uns sozusagen eine Führung gegeben hat. Ich war so ziemlich der einzige Mensch, der keine Ahnung hatte über Fütterungsmethoden, Schattenbedarf und Preise der Kühe aber naja.. es waren ja genug Tierärzte, Gauchos und was Agronomen da, die es wussten



Es wurde noch so eine Art Dankesurkunde übergeben, vom Obergaucho höchst persönlich (ich glaube, das war der Vorstandsvorsitzende der Braford Vereinigung) und dann gab es was zu futtern!


Am Freitagabend gab es eine Überraschungsfeier für Amanda ( die Austauschschülerin aus Norwegen)  und es war richtig schön. Amanda hatte wirklich überhaupt keine Ahnung und hat sich total gefreut!



Am Samstag dann hatten wir die Feier von der Generation, kurz: Jahrgangsparty
hier auf dem Foto mit Sol und Camila

Da wir das Pub gemietet hatten und nicht so viele waren, konnten wir sogar auf dem Tresen tanzen, das war schon ziemlich cool:)






So, damit verabschiede ich mich für heute, es ist schon wieder ein Monsterpost geworden. Ich werde mich jetzt mal dem Finale der amerikanischen Fußballmeisterschaft widmen, Chile gegen Argentinien in der 119. Minute und immer noch ohne Tor....
Chau,  eure Hannah

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